20.10.25
Gehirnerschütterung beim Hund

Können Hunde eine Gehirnerschütterung bekommen?
Viele Hundebesitzer kennen diese Schrecksekunde, wenn der Hund stürzt und unsanft mit dem Kopf aufprallt. Sofort schießen verschiedenste Fragen durch den Kopf, wie beispielsweise: Ist das jetzt nur ein Schock oder hat mein Hund sich ernsthaft am Kopf verletzt?Die wichtigste Antwort gleich vorweg: Ja, Hunde können eine Gehirnerschütterung erleiden!
Und eine Kopfverletzung beim Hund ist, ähnlich wie bei uns Menschen, immer ein potenzieller Notfall und sollte daher nicht einfach auf die leichte Schulter genommen werden.
Um noch besser vorbereitet zu sein, erfährst Du hier unter anderem, wie Dein Hund eine Gehirnerschütterung erleiden kann, welche Anzeichen / Symptome Du unbedingt ernst nehmen solltest und wie Du im Notfall richtig handelst.
Was ist eine Gehirnerschütterung beim Hund?
Was passiert bei einer Gehirnerschütterung beim Hund?
Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um eine leichte Form eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Sie kann beispielsweise durch einen Stoß, Schlag oder eine schnelle Beschleunigung und Abbremsung des Kopfes entstehen. So zum Beispiel, wenn Dein Kopf beim Spielen plötzlich und schnell mit dem Kopf auf den Boden schlägt.Das Gehirn eines Hundes „schwimmt“ im Schädel in einer schützenden Flüssigkeit. Kommt es dann beispielsweise zu einem starken Aufprall, prallt das Gehirn gegen die Schädelinnenwände. Diese Erschütterung kann wiederum zu einer kurzfristigen Funktionsstörung der Nervenzellen führen, was zu neurologisch auffälligen Symptomen führen kann.
Dabei muss es nicht zwingend zu einer sofort sichtbaren, dauerhaften Schädigung des Gehirns kommen, doch die normale Hirnfunktion wird oftmals vorübergehend beeinträchtigt.
Wie kann es zu einer Gehirnerschütterung beim Hund kommen?
Viele Hunde sind voller Bewegungsdrang und Unfälle passieren manchmal einfach schnell.Die häufigsten Ursachen für Gehirnerschütterungen sind dabei:
- Stürze
Herunterfallen / unglückliches Herunterspringen, z.B. vom Bett, dem Sofa oder von Treppen.
Dies ist besonders bei Welpen und kleinen Rassen eine häufige Gefahr. - Autounfälle
Ein Hund wird angefahren oder prallt durch ein plötzliches Abbremsen im Auto gegen die Scheibe oder Ähnliches.
Auch aus diesem Grund ist eine Sicherung im Auto so wichtig! - Unfälle beim Sport
Zum Beispiel beim Agility. - Schläge
Wenn der Hund beispielsweise mit einem stumpfen Gegenstand einen Schlag gegen den Kopf erfährt. - Kollisionen
Wie zum Beispiel Rennen gegen harte Gegenstände wie Möbel oder Wände, sowie ggf. auch Bäume oder Ähnliches. - Spielunfälle / Kämpfe
Unfälle beim heftigen Toben oder auch Kämpfen mit Artgenossen, besonders wenn Hunde hart mit den Köpfen zusammenprallen oder dabei auf den Boden geschleudert werden.
Wie erkenne ich eine Gehirnerschütterung beim Hund?
Das tückische an einer Gehirnerschütterung ist, dass die Symptome sofort oder auch erst einige Zeit nach dem Unfall auftreten und sich schleichend entwickeln können.Manchmal treten erste Anzeichen erst nach 30 bis 60 Minuten auf.
Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, dass Du Deinen Hund nach einem Unfall / Vorfall gut beobachtest.
Typische Alarmzeichen, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten können, sind dabei:
- Desorientierung und Verwirrung
Dein Hund starrt ins Leere, erkennt Dich nicht, ist verwirrt oder reagiert auf sonstige Art und Weise völlig anders als gewohnt. - Extreme Müdigkeit oder Apathie
Unverhältnismäßige Schlafphasen, untypischer Rückzug. - Koordinationsprobleme
Torkeln, Stolpern oder ein schwankender Gang, können auf eine Störung des Gleichgewichts (neurologische Störung) hindeuten. - Erbrechen und / oder starkes Speicheln, sowie Zittern
Kann „nur“ auf Übelkeit oder auch einen erhöhten Hirndruck hindeuten. - Lichtempfindlichkeit, Reizbarkeit oder Aggression
Dein Hund ist ungewöhnlich aggressiv oder reagiert ungewöhnlich empfindlich auf Berührungen oder auch Licht. - Veränderte Kopfhaltung
Dein Hund zeigt, dass er sichtliche Schmerzen beim Bewegen des Kopfes hat oder hält den Kopf schief. - Ungewöhnliche Augenbewegungen
Die Augen zucken rhythmisch hin und her oder bewegen sich unkontrolliert. - Veränderte Pupillen
Wichtiges Warnsignal! Dein Hund hat ungleich große Pupillen oder Pupillen, die kaum auf Licht reagieren. - Bewusstlosigkeit
Achtung! Akuter Notfall! Auch wenn die Bewusstlosigkeit nur kurz anhält: Sofort zum Tierarzt!
Bei jedem ungewöhnlichen neurologischen Symptom, welches Dein Hund nach einem Stoß auf oder gegen den Kopf zeigt, solltest Du sofort einen Tierarzt aufsuchen!
Erste Hilfe bei einer Gehirnerschütterung beim Hund
Hast Du den Verdacht, dass Dein Hund eine Gehirnerschütterung haben könnte, solltest Du schnell handeln. Denn es besteht die Gefahr eines Hirnödems (Hirnschwellung).Was also tun, bei einer Gehirnerschütterung beim Hund?
- Ruhe bewahren
Bleib ruhig - auch, wenn es schwerfällt. Dein Hund wird Deine Anspannung bemerken, doch er kann in dieser Situation keinen zusätzlichen Stress brauchen. - Hund ruhig lagern
Versuche Deinen Hund möglichst flach und für ihn bequem zu lagern. - Kontrolle der Vitalfunktionen
Überprüfe die Atmung und den Herzschlag Deines Hundes. - Transport vorbereiten
Bewege Deinen Hund so ruhig, sanft und wenig, wie es Dir nur möglich ist.
Ganz besonders, wenn Du die Vermutung hast, dass auch der Nacken oder die Wirbelsäule verletzt ist.
Wenn es geht: Versuche den Kopf Deines Hundes stabil zu halten, falls sich dieser übermäßig viel bewegt. - Tierarzt kontaktieren
Rufe vor Deinem Besuch in der Tierarztpraxis oder Tierklinik an, kündige Euren Besuch als Notfall an und nenne Deine Vermutung, dass Dein Hund eine Gehirnerschütterung hat. - Ruhe beim Transport
Wenn es Dir möglich ist, halte Deinen Hund während der Fahrt ruhig.
Wichtig: Bitte gib Deinem Hund keine Schmerzmittel aus der Humanmedizin!
Es besteht die Gefahr, dass sie die Symptome verschleiern. Zudem können sie für Hunde giftig sein. (Wir berichteten u.a. hier - KLICK.)
In der Praxis oder Klinik angekommen, wird Dein gründlich neurologisch untersucht.
Dabei kann es auch vorkommen, dass Dein Hund geröntgt wird oder ein CT oder MRT zum Einsatz kommen muss.
Beispielsweise zur Abklärung von Knochenbrüchen oder einer sonstigen Absicherung für die richtige Behandlung. Denn diese soll das Gehirn Deines Hundes bestmöglich entlasten und schützen.
Meist gehören zu der Behandlung Infusionen zur Stabilisierung des Kreislaufs oder auch Medikamente zur Reduzierung einer möglichen Hirnschwellung.
Anschließend wird Dein Hund wird engmaschig überwacht, da sich sein Zustand auch ganz plötzlich verschlechtern kann.
Was passiert nach dem Besuch beim Tierarzt?
Nachdem Dein Hund beim Tierarzt oder in der Tierklinik behandelt wurde, steht die Nachsorge bei Euch zu Hause an.Viele Ärzte empfehlen dabei:
- Absolute Ruhe
Wenn es Dir möglich ist, solltest Du mindestens eine Woche lang (oftmals länger) versuchen, dass Dein Hund Ruhe hält.
Springen, Treppensteigen, Rennen und wilde Spiele, sollten dabei vermieden werden. - Reizarme Umgebung
Je nach Hund ist es hilfreich, wenn Du einen ruhigen und gemütlichen, eventuell sogar abgedunkelten Rückzugsort schaffst, in dem laute Geräusche und helle oder gar flackernde Lichter vermieden werden. - Kurze Spaziergänge
Dein Hund soll sich erholen. Daher sind ruhige, kurze Spaziergänge an der Leine meist ausreichend. - Symptom-Tagebuch
Wenn sich die Symptome bei Deinem Hund verändern oder nach dem eigentlichen Abklingen plötzlich wiederkehren, halte dies mit Datum und einem Hinweis schriftlich fest, um es Deinem Tierarzt nachvollziehbar mitteilen zu können.
Ist eine Gehirnerschütterung beim Hund gefährlich?
Kann eine Gehirnerschütterung bleibende Schäden hinterlassen?
In den meisten Fällen und wenn es sich lediglich um eine leichte Gehirnerschütterung handelt, hinterlässt diese bei einem Hund keine bleibenden Schäden.Bei schweren Traumata, einer Nichtbehandlung oder einer stark verzögerten Behandlung kann eine Gehirnerschütterung bei Hunden, je nachdem wie schwer sie ist, jedoch sogar lebensbedrohlich sein oder bleibende neurologische Schäden hinterlassen.
Dies können beispielsweise Krampfanfälle oder Verhaltensänderungen sein.
Daher solltest Du die Symptome, selbst wenn sie gar nicht so schlimm erscheinen, auf keinen Fall unterschätzen und möglichst schnell handeln.
Lieber einmal zu oft zum Tierarzt als einmal zu wenig.
Liebe Grüße
Deine Mira